Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Gönül Jacobi JäckelAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
An der Berliner Staatsoper feierte eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung erntete sowohl begeisterten Applaus des Publikums als auch Proteste vor dem Opernhaus. Rund 50 Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen gegen Netrebkos vermeintliche Nähe zur russischen Führung.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verknüpft Motive aus der queeren Ballroom-Kultur mit der AIDS-Krise. Netrebko übernahm die Rolle der Amelia im Rahmen des Festspielprogramms des Hauses. Während Musik und Gesang hochgelobt wurden, sorgte der Auftritt der Sängerin für Kontroversen.
Seit ihren letzten öffentlichen Auftritten in Russland Anfang 2022 ist Netrebkos Karriere von Turbulenzen geprägt. Zunächst sagten westliche Spielstätten ihre Engagements ab, nachdem sie wegen angeblicher Unterstützung für Präsident Wladimir Putin in die Kritik geraten war – unter anderem wegen einer Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml. Bis 2026 kehrte sie jedoch schrittweise auf internationale Bühnen zurück. Ihre Vertreter betonen, sie habe sich gegen den Krieg in der Ukraine ausgesprochen.
Vor der Staatsoper riefen Demonstranten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Proteste spiegeln den anhaltenden Widerstand ukrainischer Aktivisten wider, die ihr vorwerfen, Russlands Handeln zu verharmlosen. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat zwar bereits früher in Berlin auf, stand damals jedoch weit weniger im Fokus der Kritik.
Im Theater selbst reagierte das Publikum warmherzig auf ihren Auftritt. Der Kontrast zwischen dem Beifall im Saal und den Protesten draußen unterstrich die gespaltenen Reaktionen auf ihre Rückkehr.
Die Premiere von Un ballo in maschera markierte Netrebkos fortschreitende, aber umstrittene Rückkehr auf westliche Bühnen. Während ihre künstlerische Leistung Anerkennung fand, machten die Proteste vor dem Haus deutlich, dass die Vorbehalte gegen ihre politischen Verbindungen bestehen bleiben. Die Inszenierung selbst, mit ihren mutigen thematischen Akzenten, fügte der Debatte um den Abend eine weitere Ebene hinzu.






