Berlin setzt umstrittene KI-Überwachung trotz Datenschutzbedenken ein
Gönül Jacobi JäckelBerlin setzt umstrittene KI-Überwachung trotz Datenschutzbedenken ein
Berlin testet umstrittenes KI-System zur Überwachung öffentlicher Räume
Berlin bereitet sich auf den Einsatz eines umstrittenen KI-Systems vor, das öffentliche Plätze auf verdächtiges Verhalten überwachen soll. Die vom Fraunhofer-Institut entwickelte Technologie wurde bereits in anderen deutschen Städten getestet – doch ihre Wirksamkeit bleibt fraglich. Kritiker warnen, dass der Schritt in der Hauptstadt schwere Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes aufwerfen könnte.
Die KI-Software analysiert Videomaterial, um ungewöhnliche menschliche Handlungen zu erkennen und zu melden. Seit 2015 ist das System in Mannheim im Einsatz, seit September 2022 auch in Hamburg. Aktuelle Berichte deuten jedoch darauf hin, dass die Technologie weiterhin ständige menschliche Kontrolle erfordert und ihre Warnmeldungen eher der Weiterentwicklung als der praktischen Polizeiarbeit dienen.
In Berlin soll die rechtliche Grundlage für den KI-Einsatz durch das aktualisierte Polizeigesetz geschaffen werden. Polizeipäsidentin Barbara Slowik Meisel verteidigt die Pläne und argumentiert, die Technologie könne die Effizienz steigern und Polizeikräfte entlasten. Doch die Erfahrungen aus Mannheim zeigen, dass das System derzeit zusätzlichen Personalaufwand verursacht – statt die Arbeitsbelastung zu verringern.
Auch über Berlin hinaus haben sechs weitere Städte – darunter Essen, Dortmund und Bochum – offiziell Interesse bekundet oder Verhandlungen über die Einführung der KI aufgenommen. Das Fraunhofer-Institut bewirbt das Verhaltenserkennungswerkzeug weiterhin, obwohl die Debatte über seinen praktischen Nutzen und die datenschutzrechtlichen Folgen anhält.
Die Ausweitung der KI auf Berlin markiert einen weiteren Schritt bei der bundesweiten Einführung – doch ihr tatsächlicher Mehrwert ist noch nicht bewiesen. Mit der nun geschaffenen rechtlichen Grundlage könnte das System bald große Teile der Stadt überwachen. Gleichzeitig müssen die Behörden Bedenken hinsichtlich der Überwachung ausräumen und klären, ob die Technologie ihre Versprechen einlöst.