Boris Palmer: Tübings polarisierender Langzeit-Oberbürgermeister zwischen Erfolg und Eklat
Claudio WiekBoris Palmer: Tübings polarisierender Langzeit-Oberbürgermeister zwischen Erfolg und Eklat
Boris Palmer regiert Tübingen seit fast zwei Jahrzehnten als Oberbürgermeister – trotz wiederholter Kontroversen. Seine letzte Wiederwahl 2022 sichert ihm das Amt mindestens bis 2030. Doch auf Landesebene ist seine politische Karriere ins Stocken geraten, nachdem frühere Äußerungen heftige Gegenreaktionen auslösten.
Noch immer wird diskutiert, ob seine politischen Erfolge seine polarisierende Rhetorik aufwiegen.
Palmer gewann die Oberbürgermeisterwahl 2006 als Mitglied der Grünen. In den folgenden Jahren führte er eine Verpackungssteuer ein, senkte die CO₂-Emissionen und trieb gleichzeitig das Wirtschaftswachstum und die Bevölkerungszahl Tübingens voran. Damit erwarb er sich den Ruf als Deutschlands führender sozial-ökologischer Pragmatiker.
Doch seine Amtszeit war von wiederkehrenden Skandalen überschattet. 2020 behauptete er, Deutschland rette COVID-19-Patienten, die "ohnehin in sechs Monaten sterben" würden. Später verwendete er auf einer Migrationskonferenz das N-Wort und verglich den Vorwurf, Nazi zu sein, mit dem Tragen eines Judensterns. Auf Facebook warf er dem Fußballspieler Dennis Aogo zudem vor, einer Frau seinen "N*-Schwanz" angeboten zu haben.
Die Grünen schlossen Palmer aus, nachdem sie ihm die Unterstützung entzogen hatten. Kritiker wie Alice von Lenthe bezeichnen ihn als Menschenfeind, Rassisten und Holocaust-Verharmloser. Sie fordert, Cem Özdemir müsse jede ministeriale Position für ihn blockieren.
Dennoch verteidigen einige seine Bilanz. Der Journalist Peter Unfried räumt ein, Palmers Äußerungen seien riskant, doch seine politischen Fähigkeiten rechtfertigten eine Rolle in der Landesregierung Baden-Württembergs. Palmer selbst hat bisher kein höheres Amt als das des Tübinger Oberbürgermeisters inne – doch sein Einfluss bleibt spürbar.
Bis mindestens 2030 bleibt Palmer Tübinger Oberbürgermeister, ohne formelle Ämter auf Landes- oder Bundesebene. Seine Klimaschutz- und Wachstumspolitik findet weiterhin Anerkennung, während seine Aussagen Verbündete verprellen. Diese Spannung zwischen Leistungen und Eklats prägt sein politisches Erbe.