Dieter Nuhrs Femizid-Witz löst Empörung und Debatte über Satiregrenzen aus
Claudio WiekDieter Nuhrs Femizid-Witz löst Empörung und Debatte über Satiregrenzen aus
Der Komiker Dieter Nuhr hat mit einem umstrittenen Witz über Femizide in seiner jüngsten ARD-Sendung für Empörung gesorgt. Die Nummer, in der er auch die Parkkünste von Frauen aufs Korn nimmt, wurde scharf kritisiert – wegen mangelnder Feinfühligkeit und ihrer problematischen Botschaft. Der Rundfunksender rbb verteidigte das Material jedoch mit Verweis auf künstlerische und satirische Freiheit.
In seinem Programm behauptet Nuhr, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau von einem Mann getötet werde, liege „beinahe bei null“. Er bestreitet, dass es ein strukturelles Problem mit Femiziden gebe, und schlägt vor, Frauen sollten ihre Partner einfach gründlicher aussuchen, um Gewalt zu vermeiden. Der Witz verlagert die Schuld damit von den Tätern auf die Opfer und ignoriert die Realität, dass Femizide oft das Ergebnis langjähriger Misshandlungs- und Kontrollmuster sind.
Kritiker werfen Nuhr vor, seine „Humor“-Angriffe richteten sich häufig gegen Frauen. Seine jüngsten Äußerungen haben die Debatte neu entfacht, welche Rolle öffentliche Rundfunkanstalten bei der Verbreitung solcher Inhalte spielen sollten. Der Witz selbst wurde weitgehend als plump, oberflächlich und ohne tiefe oder mehrschichtige Aussage verurteilt.
Der Sender rbb hat zwar die Kritik zur Kenntnis genommen, betont aber, Nuhrs Arbeit falle unter die künstlerische Freiheit. Öffentlich-rechtliche Anstalten stehen weiterhin in der Kritik, weil sie Komik verbreiten, die nach Ansicht vieler schwere Themen verharmlost. Die Kontroverse zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen Meinungsfreiheit und verantwortungsvollem Programm auf.
