Einheitlicher Wahltag für Landtagswahlen scheitert an Föderalismus-Bedenken der Länderchefs
Gönül Jacobi JäckelEinheitlicher Wahltag für Landtagswahlen scheitert an Föderalismus-Bedenken der Länderchefs
Ein Vorschlag, alle Landtagswahlen in Deutschland an einem einzigen Tag abzuhalten, stößt bei mehreren Regierungschefs der Bundesländer auf scharfe Kritik. Bundestagsvizepäsident Omid Nouripour (Grüne) hatte die Reform angeregt, um die ständige Fixierung auf Umfragen zu verringern. Doch die Ministerpräsidenten mehrerer Länder lehnen die Idee ab – mit der Begründung, sie könnte den Föderalismus schwächen und die regionale Entscheidungshoheit aushöhlen.
Nouripour argumentierte, der aktuelle Wahlzyklus mit kommunalen und Landtagswahlen halte die Politik zu sehr in einem kurzfristigen Umfragediktat gefangen. Stattdessen schlug er vor, alle 16 Landtagswahlen an einem einzigen Termin zusammenzulegen, um den Prozess effizienter zu gestalten.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) warnte jedoch, ein solcher Schritt würde den Föderalismus untergraben. Er betonte, Wähler müssten über landesspezifische Themen in separaten Wahlen entscheiden – und nicht in einer bundesweiten Abstimmung. Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) pflichtete dem bei und erklärte, Landtagswahlen müssten sich weiterhin an regionalen Politikinhalten orientieren.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wies den Vorschlag als Ablenkung von den eigentlichen Herausforderungen zurück. Zudem verwies er darauf, dass Landtagswahlen oft Unmut über die Bundespolitik widerspiegeln und damit ein wichtiges Ventil für lokale Anliegen darstellen. Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) argumentierte, gleichzeitige Wahlen könnten das verfassungsmäßige Gleichgewicht zwischen Bund und Ländern stören. Zudem warnte er, einheitliche Wahltage könnten zu ähnlicheren Mehrheitsverhältnissen in unterschiedlichen Regionen führen.
Bisher findet der Vorschlag bei den Länderchefs kaum Unterstützung. Kritiker befürchten, er könnte den regionalen Einfluss schmälern und das föderale Gefüge Deutschlands aus dem Gleichgewicht bringen. Ohne breitere Zustimmung scheint die Idee vorerst kaum Aussicht auf Umsetzung zu haben.






