Flaggenstreit in den 1920ern: Wie Deutschland an seinen Farben zerbrach
Flaggenstreit spaltet Deutschland in den 1920er-Jahren
In den mittleren 1920er-Jahren verschärfte sich der deutsche Flaggenstreit, als sich die politischen Gräben um die nationalen Symbole vertieften. Das Land spaltete sich in zwei Lager: Die einen unterstützten die kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, die anderen verteidigten die republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold. Bis 1926 hatte sich der Konflikt zu einer vollen Krise zugespitzt, die Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Eingreifen zwang.
Die Wurzeln des Streits reichen bis in die Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs zurück. Nach dem Scheitern des Anschlusses Österreichs durch die Alliierten festigten die politischen Kräfte ihre Positionen. Rechtsextreme Gruppen setzten sich für die alten Kaiserfarben ein, während sich die Weimarer Koalition und die Kommunisten hinter der republikanischen Trikolore versammelten. Selbst im Alltag war die Spannung spürbar: Schuljungen gerieten über die Farben ihrer Mützenbänder aneinander.
Die Reichspräsidentenwahl 1925 verschärfte die Fronten weiter. Zwei Blöcke formierten sich: der Schwarz-Rot-Gold-Volksblock und der Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock. Reichskanzler Hans Luther versuchte später, den Konflikt zu entschärfen, scheiterte jedoch am Widerstand beider Seiten. Sein Entwurf einer Flaggenverordnung konnte die Rechte nicht überzeugen – und brachte ihm selbst heftige Kritik ein.
Edwin Redslob, der Reichskunstwart, erhielt den Auftrag, eine einheitliche Flagge zu entwerfen. Trotz zahlreicher Vorschläge und unzähliger Entwürfe gelang es ihm nicht, die Gräben zu überbrücken. Die Rechte, gestärkt durch Hindenburgs Wahlsieg 1925, drängte auf eine klare Lösung. Ihr Druck führte schließlich zur Zweiten Flaggenverordnung am 5. Mai 1926.
Die neue Regelung schrieb vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben als auch die Handelsflagge zeigen mussten – ein Kompromiss, der Schwarz-Rot-Gold mit dem kaiserlichen Oberliek verband. Hindenburg versuchte in einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen, und warb für eine verfassungskonforme Lösung. Doch der Streit zog sich bis 1933 hin, ohne dass eine dauerhafte Einigung in Sicht war.
Auch die Zweite Flaggenverordnung brachte keine Befriedung. Im Ausland hissten Botschaften zwar beide Flaggen, doch im Inland blieben die Gegensätze bestehen. Jeder Versuch eines Konsenses scheiterte, und die symbolische Identität der Nation blieb ungelöst. Der Flaggenstreit sollte bis zum Ende der Weimarer Republik andauern.






