Krankenhaus Sigmaringen kämpft um ambulante Versorgung durch Ärztemangel und Bürokratie
Claudio WiekKrankenhaus Sigmaringen kämpft um ambulante Versorgung durch Ärztemangel und Bürokratie
Krankenhaus Sigmaringen kämpft mit wachsenden Herausforderungen in der ambulanten Versorgung
Durch Personalmangel und bürokratische Hürden gerät das Krankenhaus Sigmaringen zunehmend unter Druck, die ambulante Patientenversorgung aufrechtzuerhalten. Seit Februar hat die Einrichtung Schwierigkeiten, onkologische Leistungen anzubieten, nachdem der leitende Arzt in diesem Bereich die Klinik verlassen hat. Weitere Veränderungen stehen bevor: Im Oktober wird ein wichtiger Kardiologe die Einrichtung verlassen, sodass Patienten mit Schrittmachern und Defibrillatoren vor Ort keine Behandlungsmöglichkeiten mehr haben werden.
Die ambulante Versorgung in Krankenhäusern Baden-Württembergs unterliegt strengen Regelungen. Genehmigungen für solche Leistungen werden nur erteilt, wenn örtliche Praxen die Nachfrage nicht decken können – und auch dann sind die Zulassungen an einzelne Ärzte gebunden, nicht an das Krankenhaus selbst. Eine Zulassungskommission, bestehend aus Vertretern der Krankenkassen und Ärzten, prüft jeden Antrag auf Ausnahmen einzeln.
Aktuell bietet das Krankenhaus Sigmaringen ambulante Behandlungen in den Fachbereichen Urologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Gynäkologie, Chirurgie und Onkologie an. Die Verantwortlichen betonen jedoch, dass diese Leistungen nicht in Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten stehen sollen. Vielmehr sollen sie Lücken schließen, wenn vor Ort Kapazitäten oder Fachwissen fehlen.
Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle: Die Behandlung von ambulanten Patienten ist für das Krankenhaus weniger lukrativ als die von stationären, da dieselben Räume, dasselbe Personal und dieselbe Ausstattung genutzt werden. Trotzdem rechnet die SRH-Klinikengruppe mit einem Anstieg der ambulanten Versorgung – getrieben von gesundheitspolitischen Maßnahmen, die durch die Verlagerung von Eingriffen aus dem stationären Bereich Kosten sparen sollen.
Die Situation hat bereits jetzt Auswirkungen auf Patienten. Seit Februar können gesetzlich versicherte Krebspatienten in Sigmaringen keine ambulante onkologische Behandlung mehr erhalten, da der leitende Facharzt fehlt. Ab dem 1. Oktober wird der Kardiologe Jan Prillinger die Betreuung von Patienten mit Schrittmachern und Defibrillatoren einstellen, wenn er in die Gemeinschaftspraxis Hanfertal wechselt. Damit entsteht eine weitere Lücke im ambulanten Angebot des Krankenhauses.
Der Verlust von Fachkräften und finanzielle Zwänge schränken die Fähigkeit des Krankenhauses Sigmaringen ein, eine zuverlässige ambulante Versorgung sicherzustellen. Während die Gesundheitspolitik den Ausbau ambulanter Behandlungen vorantreibt, erschweren regulatorische und personelle Hindernisse den Kliniken die Umsetzung. Patienten, die auf diese Leistungen angewiesen sind, könnten gezwungen sein, Alternativen zu suchen, sollten die lokalen Versorgungslücken bestehen bleiben.






