16 March 2026, 14:24

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Boykott nach Chefket-Konzertabsage

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, Deutschland, die das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Krise im Berliner Haus der Kulturen: Boykott nach Chefket-Konzertabsage

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steckt in einer eskalierenden Krise, nachdem ein Konzert des schwäbischen Rappers Chefket abgesagt wurde. Die unter politischem Druck getroffene Entscheidung hat eine Welle von Boykottaufrufen deutscher Künstler ausgelöst und wirft Fragen zur internationalen Position der Einrichtung auf.

Das direkt neben dem Bundeskanzleramt gelegene Haus kämpft seit Langem um bundesweite Anerkennung. Nun gerät sein Ruf als globaler Kulturknotenpunkt ins Wanken – ausgelöst durch die Kontroverse um Chefkets geplanten Auftritt an einem brisanten Datum.

Der Rapper, einst vom Goethe-Institut als "Rap-Botschafter" gefeiert, sah sein HKW-Konzert gestrichen, weil es auf den Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel fallen sollte. Sein Auftrittsoutfit – ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels – heizte die Debatte weiter an. Nach der Intervention von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kam es zur Absage, was Vorwürfe der Zensur nach sich zog.

Die Folgen sind verheerend: Sämtliche deutschen Künstler, die für künftige HKW-Veranstaltungen gebucht waren, haben aus Solidarität mit Chefket ihre Teilnahme zurückgezogen. Der Boykott verschärft die ohnehin bestehenden Spannungen um die Ausrichtung des Hauses unter seinem seit 2023 amtierenden kamerunischen Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Dessen "postkoloniales" Programm stand bereits zuvor in der Kritik der deutschen Kulturelite.

Trotz seines Auftrags, globale Talente wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil zu präsentieren, scheint die internationale Strahlkraft des HKW nun geschwächt. Der Vorfall bestärkt den Eindruck von Provinzialität und überlagert Projekte wie die geplante Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft", die eigentlich Aufmerksamkeit auf die Institution lenken sollte.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Absage Chefkets internationaler Karriere schadet. Doch der Streit offenbart tiefe Gräben in Fragen der Kunstfreiheit, des politischen Einflusses und Deutschlands Rolle bei der Vermittlung kultureller Konflikte.

Die Zukunft des HKW ist ungewiss. Ohne deutsche Künstler, die bereit sind aufzutreten, und mit einem beschädigten internationalen Image muss sich die Institution nun sowohl politischem Druck als auch interner Kritik stellen. Die Chefket-Affäre hat nicht nur bestehende Konflikte vertieft, sondern stellt auch die Frage, ob eine große Kultureinrichtung in polarisierten Debatten überhaupt neutral bleiben kann.

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