10 June 2026, 16:28

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom Filmfestival Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom Filmfestival Marseille zurück

Der israelische Regisseur Nadav Lapid geriet unter massiven Druck, sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille wegen seiner Staatsangehörigkeit zurückzuziehen. Die Kontroverse löste eine Welle der Solidarität aus, darunter von prominenten Persönlichkeiten der Filmbranche wie Natalie Portman. Schließlich willigte Lapid ein, seinen Rückzug zu erklären, um weitere Schwierigkeiten für die Veranstaltung zu vermeiden.

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Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Trotz seiner offenen Haltung gegen die eigene Regierung geriet der Regisseur ins Visier eines kulturellen Boykotts.

Über 350 Branchenvertreter:innen, darunter Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief zu seiner Verteidigung. In dem in Le Monde veröffentlichten Schreiben hieß es, sein erzwungener Rückzug „sollte uns aufrütteln und über diese Absurdität hinaus mobilisieren“. Ein zweiter Brief mit dem Titel Kino ist keine Botschaft kritisierte den Boykott dafür, Künstler:innen auf ihre Nationalität zu reduzieren.

Etwa zehn Filmemacher:innen zogen ihre Werke aus Protest vom Festival zurück. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari begründete ihren Rückzug mit der Ablehnung eines „kulturellen und politischen Modells, das weiterhin aufrechterhalten wird“. Lapid warnte, der Boykott könnte eine abschreckende Wirkung auf Kultureinrichtungen haben. Obwohl er über den Druck frustriert war, entschied er sich zum Rücktritt, um weitere Schäden für das Festival zu verhindern.

Lapids Abgang vom Festival unterstreicht die tiefen Gräben in der Debatte um kulturelle Boykotte. Die Unterstützung durch renommierte Filmschaffende zeigt, wie umstritten die Fragen nach künstlerischer Freiheit und politischer Identität sind. Der Vorfall wirft nachhaltige Fragen zur Rolle der Nationalität in den kreativen Branchen auf.

Quelle