Pforzheimer Apotheken schließen für einen Tag – ein Hilferuf der Branche
Ayten KarzPforzheimer Apotheken schließen für einen Tag – ein Hilferuf der Branche
Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis setzen mit eintägiger Schließung ein Zeichen
Am 23. März 2026 machten Apotheken in Pforzheim und dem Enzkreis mit einer beispiellosen Aktion auf ihre prekäre Lage aufmerksam: Fast 30 lokale Apotheken blieben für einen Tag geschlossen. Lediglich die Christoph-Apotheke hielt als Notdienst für dringende Fälle geöffnet. Vor ihr versammelten sich die Teilnehmer zu einer Solidaritätskundgebung – als Zeichen des Respekts für die rund 500 Apotheken, die 2025 endgültig schließen mussten. Die Protestierenden forderten mehr öffentliche Wahrnehmung für ihre existenzbedrohenden Herausforderungen.
Hinter der Aktion stand der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV), der auf die finanzielle Schieflage der Branche hinweisen wollte. Konkrete Forderungen wurden zwar nicht erhoben, doch im Mittelpunkt standen Zusammenhalt und die Aufklärung der Kunden über die schwierige Situation. Christian Kraus, einer der Hauptorganisatoren, betonte, wie aufwendig es gewesen sei, fast alle Apotheken für den Streiktag zu gewinnen.
Andreas Plommer, der in der Christoph-Apotheke den Notdienst leitete, hatte sich ursprünglich für einen flächendeckenden Streik aller Notdienstapotheken ausgesprochen – mit dem Ziel, höhere Vergütungen durchzusetzen. Er argumentierte, dass Apothekenleistungen deutlich kostengünstiger seien als Krankenhausbehandlungen und warnte: Weitere Schließungen könnten das gesamte Gesundheitssystem ins Wanken bringen. Die letzte Gebührenanpassung für Apotheken liegt mittlerweile über zwei Jahrzehnte zurück; 2013 gab es lediglich eine minimale Erhöhung um 25 Cent.
Um die Proteste sichtbar zu machen, trugen die Teilnehmer ihre Berufskleidung und hielten Plakate hoch. Gleichzeitig blieben bundesweit Notdienstapotheken geöffnet, um die Versorgung sicherzustellen. Plommer selbst plante, den erhöhten Arbeitsanfall mit fünf Mitarbeitern am Vormittag und vier am Nachmittag zu bewältigen.
Die Aktion lenkte die Aufmerksamkeit auf den anhaltenden Rückgang der Apotheken und ihre finanziellen Nöte. Da seit Jahren keine Gebührenanpassungen stattgefunden haben, hoffen die Organisatoren, dass der Protest nun Bewegung in die Debatte bringt. Gleichzeitig diente die Kundgebung als Warnsignal: Sollten weitere Apotheken vor Ort verschwinden, drohen weitreichende Folgen für die Gesundheitsversorgung.






