Schufa vor Gericht: Wie transparent müssen Kredit-Scores wirklich sein?
Jessika FröhlichSchufa vor Gericht: Wie transparent müssen Kredit-Scores wirklich sein?
In Deutschland läuft derzeit ein Rechtsstreit über die Transparenz von Bonitätsbewertungssystemen. Fünf Kläger haben die Schufa verklagt und argumentieren, dass deren aktuelle Offenlegungen zur Berechnung von Kredit-Scores den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (GDPR) nicht genügen. Der Fall liegt nun beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.
Im März 2023 führte die Schufa ein neues Scoring-Modell ein, das auf einer standardisierten Skala von 100 bis 999 basiert. Es nutzt zwölf klar definierte Kriterien und behauptet, jeden Faktor sowie dessen Gewichtung offenzulegen. Das Unternehmen betont, dass seine aktuellen Praktiken bereits zukünftige rechtliche Standards erfüllen.
Die Kläger widersprechen dieser Darstellung und fordern tiefere Einblicke in die Berechnungslogik. Sie argumentieren, dass Verbraucher bei automatisierten Entscheidungsprozessen mehr Transparenz verdienen. Das Gericht muss nun entscheiden, ob die Offenlegungen der Schufa den GDPR-Transparenzvorgaben entsprechen.
Ab November 2026 wird der Gesetzgeber ein neues rechtliches Rahmenwerk für materielle Scoring-Systeme durchsetzen. Ziel ist es, das alte, komplexere System bis Ende 2028 abzulösen. Das Urteil des BGH könnte einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie detailliert solche Offenlegungen künftig sein müssen.
Die Entscheidung des Gerichts wird künftige datenbasierte Bewertungen beeinflussen und die Transparenzpflichten nach der GDPR klären. Sie könnte auch bestimmen, wie viel Einsicht Verbraucher in algorithmische Entscheidungen erhalten sollten. Das Ergebnis könnte die Funktionsweise von Bonitätsbewertungssystemen in Deutschland grundlegend verändern.
