31 March 2026, 20:23

ARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch fehlt die journalistische Tiefe?

Schwarze-weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939, betitelt 'Weitpreubliche Zeitung', mit einer Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Szenerie.

ARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch fehlt die journalistische Tiefe?

Öffentlich-rechtliche Sender testen neue Reportageformate für junge Zuschauer

ARD und ZDF experimentieren mit innovativen Reportagestilen, um jüngere Zielgruppen zwischen 14 und 29 Jahren zu erreichen. Der Wandel kommt zu einer Zeit, in der das klassische Fernsehen zunehmend Schwierigkeiten hat, diese Altersgruppe zu halten. Fünf neue Formate – "VOLLBILD", "exactly", "Ultraviolett stories", "Crisis – Hinter der Front" und "PULS Reportage" – verbinden persönliche Erzählweisen mit journalistischer Berichterstattung.

Diese Formate rücken die Reporter:innen selbst ins Zentrum der Geschichten. Zwar schafft das Nähe zum Publikum, doch wirft es auch Fragen nach Ausgewogenheit und journalistischen Standards auf. Die neue Welle der Reportagen setzt auf emotionale Ich-Perspektiven, bei denen die Berichterstatter:innen zugleich als Erzähler:innen und Hauptfiguren agieren. Für junge Zuschauer:innen wirkt dieser Ansatz authentischer und ansprechender als die klassische Nachrichtensprache.

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Doch die Betonung der persönlichen Sichtweise kann das eigentliche Thema in den Hintergrund drängen. Dominiert die Stimme der Reporter:innen, leidet mitunter die Tiefe der Recherche. Manche Formate kämpfen zudem damit, ein eigenes Profil zu entwickeln, und verschwimmen in der Masse ähnlicher, selbstbezogener Formate.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer:innen dieses Konzept allmählich überdrüssig werden. Während etablierte Formate wie "Terra X" nach wie vor erfolgreich sind – 2023 verzeichneten sie 3,55 Millionen Zuschauer:innen im linearen Fernsehen und 175 Millionen Aufrufe auf YouTube – haben es traditionelle Sender schwer. Streamingdienste und soziale Medien ziehen die 14- bis 29-Jährigen stärker an, sodass selbst hochkarätige Reportagereihe wie Jenkes Enthüllungen auf ProSieben nur bescheidene Quoten erreichen (0,22 Millionen in der Altersgruppe 14–49 bei einer Folge im März 2026).

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen nun vor der Herausforderung, persönliche Erzählformen mit fundiertem Journalismus zu vereinen. Das Risiko: Gibt man der Authentizität zu viel Raum, drohen Glaubwürdigkeit und sorgfältige Recherche auf der Strecke zu bleiben.

Der Aufstieg reporterzentrierter Formate spiegelt den Versuch wider, in einer zersplitterten Medienlandschaft relevant zu bleiben. Junge Zielgruppen reagieren auf emotionale, subjektive Berichte – doch der langfristige Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, Nähe zum Publikum mit solider investigativer Arbeit zu verbinden.

Angesichts des wachsenden Einflusses von Streamingplattformen und sozialen Medien müssen ARD und ZDF sicherstellen, dass ihre neuen Stile nicht Tiefe für Reichweite opfern. Die fünf analysierten Formate zeigen sowohl das Potenzial als auch die Fallstricke dieses sich wandelnden Ansatzes.

Quelle