23 March 2026, 10:30

Böhmermanns provokante Schau im HKW: Kunst zwischen Wahnsinn und Freiheit

Ein buntes Plakat an einer Gebäudewand mit der Aufschrift 'Les Humoristes Journal Hebdomadaire Illustré', das eine Gruppe lachender Menschen zeigt.

Böhmermanns provokante Schau im HKW: Kunst zwischen Wahnsinn und Freiheit

Jan Böhmermanns kühne Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" im Berliner Haus der Kulturen der Welt

Eine provokante neue Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann und seines Kollektivs Royal ist nun im Berliner Haus der Kulturen der Welt zu sehen. Unter dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" verbindet die Schau beißende Kunst mit persönlichen Archiven. Besucher müssen an der Tür ihre Handys abgeben – ein klares Signal für ein immersives, ablenkungsfreies Erlebnis.

Die Ausstellung verwandelt die Galerie in eine surreale Landschaft, in der politische Satire auf absurde Installationen trifft. Eine schlaffe, aufblasbare Freiheitsstatue treibt in einem Wasserbecken, während eine körperlose Frauenstimme feierlich "Land der Freien" zur Melodie der US-Nationalhymne rezitiert. Daneben thront eine lebensgroße Büste Helmut Kohls – vollständig aus Butter geschnitzt – neben einer funktionstüchtigen Raucherkabine, bestückt mit echten Zigaretten.

Eine Maschine zerfetzt alle 28 Minuten methodisch ein Stofftier – es sei denn, Besucher zahlen für ein Foto davon. Eine düstere Abrechnung mit Konsum und Bewahrung. Sieben Installationen beziehen sich direkt auf Böhmermanns Karriere, darunter ein Neo Magazin Royale-Skript, das den Rapper Bushido verspotten, eine Klage Bushidos von 2016 sowie ein USB-Stick, verknüpft mit dem Jan-Marsalek-Skandal. Selbst ein unterzeichneter Vertrag mit dem Immobilienmogul René Benko wirkt wie ein Relikt vergangener Kontroversen.

Performance spielt eine zentrale Rolle: Auf einer TV-Gartenbühne treten Indie-Künstler wie Domiziana, Mine und Ebow auf. Doch nicht alles lief nach Plan: Ein Konzert des Rappers Chefket wurde abgesagt, nachdem Antisemitismus-Vorwürfe aufkamen – ironischerweise verbunden mit Wolfram Weimer, dessen Organisation die Ausstellung mitfinanzierte.

Die Themen der Schau – Freiheit, Unvernunft und der amerikanische Kultureinfluss auf Deutschland – entfalten sich in diesem Spannungsfeld aus Humor und Unbehagen. An den Wänden reihen sich Profilbilder von Böhmermanns Online-Kritikern, während eine goldene Schallplatte von Bushido und Marsaleks Boxsack den Raum in seinem TV-Erbe verankern.

Die Ausstellung läuft bis zum 19. Oktober 2023 und bietet eine chaotisch kontrollierte Reflexion über Medien, Macht und Absurdität. Indem die Kuratoren den Besuchern ihre Handys abnehmen, zwingen sie sie zur direkten Auseinandersetzung mit den Werken – ob beim Anblick eines zerfetzten Stofftiers oder einer Butter-Kohl-Büste. Das Ergebnis ist weniger eine Retrospektive als ein lebendiges Experiment darüber, wie Kunst provoziert, dokumentiert und Kontroversen überdauert.

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