23 March 2026, 00:23

Kratzers provokante Opern-Revolution spaltet Hamburgs Staatsoper

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts", das eine Seite mit Text und einem Logo zeigt.

Kratzers provokante Opern-Revolution spaltet Hamburgs Staatsoper

Tobias Kratzers Debüt als Intendant der Hamburgischen Staatsoper sorgt mit seiner mutigen Inszenierung von Das Paradies und die Peri für heftige Reaktionen. Die unter der Leitung von Omer Meir Wellber stehende Premiere verband Schumanns Oratorium aus dem 19. Jahrhundert mit drängenden zeitgenössischen Themen. Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus wie auch mit Buhrufen – ein Spiegel der provokanten Herangehensweise der Produktion.

Kratzer deutet Schumanns Werk radikal neu und setzt es in einen aktuellen Kontext. Der dritte Akt verknüpft die Musik explizit mit der Klimakrise, während die Handlung heutige Zivilist:innen in einem von einem weißen Anführer entfachten Krieg zeigt. Ein schwarzer Schauspieler verkörpert den sterbenden Jüngling, der dem Antagonisten trotzig gegenübertritt – eine Entscheidung, die Themen wie Rassismus und kollektive Verantwortung unterstreicht.

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Die Inszenierung durchbricht konsequent die vierte Wand: Die Sängerin Vera-Lotte Boecker als Peri steigt ins Parkett hinab und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin – ein Moment ungeschönter Empathie. Der Chor, unter der Leitung von Giacomo Meregaglia, übernimmt eine aktive Rolle auf der Bühne und sprengt damit die Grenzen klassischer Opernkonventionen.

Wellbers Dirigat der Philharmonischen Staatsorchester Hamburg verlieh der Aufführung besondere Intensität. Zur Premiere gehörten zudem neu kuratierte Abende, darunter Monster's Paradise von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek. Kratzer hat deutlich gemacht, dass er die Oper stärker in die Hamburger Gesellschaft einbinden will – ein Zeichen für eine Wende hin zu inklusiveren, gesellschaftlich bewussteren Programmen.

Die gespaltene Resonanz auf die Produktion unterstreicht ihren Anspruch, das Publikum herauszufordern. Indem historische Musik mit heutigen Konflikten verschmilzt, haben Kratzer und sein Team einen konfrontativen Ton für die Zukunft der Oper vorgegeben. Weitere Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur, Wellber und Meregaglia ist im Vorfeld der Spielzeit 2026 zu erwarten.

Quelle