05 April 2026, 08:23

Oktoberfest-Kellnerinnen: Der harte Alltag hinter den Maßkrügen und Dirndln

Eine große Gruppe von Menschen sitzt an Tischen unter einem Zelt auf dem Oktoberfest in München, Deutschland, mit Taschen und Gegenständen auf den Tischen, umgeben von festlichen Zelten, Lichtern und Fahnen.

Oktoberfest-Kellnerinnen: Der harte Alltag hinter den Maßkrügen und Dirndln

Das Münchner Oktoberfest ist zurück – und lockt wieder Scharen von Besuchern in seine berühmten Bierzelte und die lebendige Feststimmung. Doch hinter den Kulissen arbeiten Kellnerinnen wie Celina hart, um das Event reibungslos über die Bühne zu bringen. Ihr Job beschränkt sich längst nicht nur aufs Biertragen: Er erfordert Geschick, Geduld und den Umgang mit Herausforderungen, die den meisten Gästen verborgen bleiben.

Celina ist seit 2022 auf dem Oktoberfest im Einsatz, doch ihre Karriere in der Gastronomie begann bereits mit 15 Jahren. Wie viele ihrer Kolleginnen muss sie sich erst den Zugang zu einem Zelt "erkaufen" – zwischen 3.000 und 3.500 Euro kostet das Privileg. Ein Stundenlohn gibt es nicht; ihr Verdienst speist sich allein aus der Differenz zwischen dem Einkaufspreis des Bieres und dem, was die Gäste bezahlen.

Bier tragen ist Schwerstarbeit. Üblicherweise balancieren die Kellnerinnen sechs Maßkrüge auf einmal, den siebten gestapelt obenauf. Celina, die kleinere Hände hat, klemmt den sechsten Krug geschickt ein, um ihn zu stabilisieren. Doch das ist nicht alles: Auch das Bier müssen sie selbst bezahlen, wenn sie es am Zapfhahn abholen – eine zusätzliche finanzielle Belastung.

Doch die Arbeit birgt noch andere Tücken. Veraltete Einstellungen, darunter auch Sexismus, sind in den Zelten nach wie vor präsent. Kellnerinnen müssen sich oft unangemessenes Verhalten gefallen lassen – etwa wenn Gäste an ihren Dirndl-Schürzen ziehen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, ein Verhalten, das niemals in Ordnung ist. Wer auf Tischen tanzt oder Bier in einem Zug leert, riskiert zudem, hinausgeworfen zu werden.

Trinkgelder gehören zwar zum Verdienst, landen aber nicht einfach in der Tasche: Auch darauf werden Steuern und Sozialabgaben fällig. Bayerische Gäste gelten als großzügige Trinkgeldgeber, während Besucher aus Schwaben eher sparsam sind. Wer in der Gruppe bestellt, beschleunigt den Service und erleichtert den Kellnerinnen die Arbeit.

Für Erstbesucher gibt es praktische Tipps: Toiletten rechtzeitig aufsuchen, bevor sie überlaufen, und eine Plastiktüte für Jacken mitbringen. Insgesamt 14 große offizielle Bierzelte gibt es – besonders beliebt sind das Hacker-Pschorr-Festzelt, das Löwenbräu-Festzelt, der Schottenhamel und das Hippodrom. Wenn der Hunger kommt, ist Hähnchen meist als Erstes ausverkauft.

Reinigungskräfte kümmern sich um Dreck und Chaos, doch wenn ein Gast sich übergibt, kann es passieren, dass die Kellnerin die Reinigungskosten tragen muss – oder sie an den Verursacher weitergibt. Einen Job in einem Zelt zu ergattern, hängt oft von Vitaminen (Beziehungen) und Vorerfahrung ab; die Stellen sind heiß begehrt.

Kellnerinnen wie Celina arbeiten lange Stunden ohne festes Gehalt und sind auf Trinkgelder und Bierverkäufe angewiesen, um über die Runden zu kommen. Sie halten die Traditionen des Festes am Leben – trotz ungebärdiger Gäste und überholter Denkweisen. Damit das Oktoberfest für alle ein Fest bleibt, helfen schon kleine Gesten: effizient bestellen und das Personal mit Respekt behandeln.

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