09 May 2026, 12:22

Radikales Mozart-Experiment: Così fan tutte als Echtzeit-Beziehungsdrama in Wiesbaden

Plakat für Mozarts Symphonie Nr. 2 D-Moll, Op. 63, mit zwei Geigern im Vordergrund und einem Gebäude im Hintergrund, mit der Aufschrift "Orquesta Sinfónica de Tenerife Programa Nº 2".

Radikales Mozart-Experiment: Così fan tutte als Echtzeit-Beziehungsdrama in Wiesbaden

Staatstheater Wiesbaden wagt ein radikales Experiment mit Mozarts Così fan tutte

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In dieser Spielzeit geht das Staatstheater Wiesbaden einen mutigen Weg mit Mozarts Così fan tutte. Unter der Regie von Marie-Ève Signeyrole wird die Oper als Echtzeit-Beziehungsstudie inszeniert – eine Grenze zwischen Spiel und Realität verschwimmt. Die Tickets für die ungewöhnliche Produktion kosten nur 10 Euro, doch die emotionalen Einsätze sind weit höher, als der Preis vermuten lässt.

Auf der Bühne werden 20 junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren zu sehen sein. Opernerfahrung ist nicht erforderlich, denn die Suche nach Teilnehmenden läuft noch. Signeyroles Vision ist scharf und kompromisslos: Sie will das Publikum verunsichern und die Oper dazu zwingen, ihre eigenen Themen – Liebe und Treue – schonungslos zu hinterfragen.

Doch die Aufführung beginnt nicht auf der Bühne, sondern hinter ihr. Die übliche Trennung zwischen Zuschauern und Darstellern entfällt. Das Setting: eine Kunsthochschule, in der das Publikum in die Rolle von Studierenden schlüpft, die Don Alfonsos Treueexperiment beobachten. Signeyroles Regie verzichtet auf jede Verstellung und konfrontiert sowohl die Akteure als auch die Zuschauer mit ungeschönten Wahrheiten über zwischenmenschliche Beziehungen.

Die Inszenierung bricht mit klassischen Opernkonventionen. Indem die Bühne zum lebendigen Sozialexperiment wird, legt die Regisseurin die Verletzlichkeit und Ehrlichkeit menschlicher Verbindungen schonungslos offen. Der niedrige Ticketpreis steht im Kontrast zur Intensität des Erlebnisses – die Produktion bleibt zugänglich, ohne an emotionaler Wucht einzubüßen.

Die Aufführung wird Grenzen ausloten, sowohl für die beteiligten Paare als auch für das Publikum. Ohne den schützenden Filter der theatralischen Distanz verspricht das Experiment ungefilterte Momente von Vertrauen und Verrat. Heraus kommt eine Version von Così fan tutte, wie es sie noch nie gab – eine, in der die Grenze zwischen Kunst und Leben bewusst verwischt.

Quelle