08 April 2026, 00:28

Streit um Arzneimittelversorgung: Bevorratung, China-Abhängigkeit und Freihandelsabkommen spalten Experten

Plakat, auf dem steht, dass Amerikaner zwei bis drei Mal mehr für Medikamente gezahlt haben als andere Länder, mit Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Streit um Arzneimittelversorgung: Bevorratung, China-Abhängigkeit und Freihandelsabkommen spalten Experten

Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Gesundheitswesen gerieten auf der Handelsblatt-Konferenz über die Arzneimittelversorgung in Europa aneinander. Im Mittelpunkt der Debatte standen die Bevorratung von Medikamenten, Freihandelsabkommen und die Abhängigkeit von ausländischer Produktion. Kritische Stimmen meldeten sich zur Vorbereitung Deutschlands auf mögliche Engpässe und geopolitische Risiken.

Thomas Weigold, Chef von Sandoz/Hexal in Deutschland, warnte vor der starken Abhängigkeit des Landes von China bei Antibiotika und Generika. Er forderte, lebenswichtige Arzneimittel als Teil der nationalen Sicherheit zu betrachten, um zu verhindern, dass Lieferketten in Konflikten als Druckmittel genutzt werden. Das geplante Freihandelsabkommen mit Indien bezeichnete Weigold als "absurd" – es schwäche Europas Fähigkeit, die eigene Arzneimittelproduktion zu sichern.

Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse berichtete hingegen, Deutschland habe sein Ziel erreicht, für 47 Prozent der Medikamente einen sechsmonatigen Vorrat anzulegen. Rabattverträge seien zunehmend durch umfassendere Versorgungsvereinbarungen ersetzt worden, wobei Kinderarzneimittel eine Ausnahme blieben. Steimle befürwortete das Indien-Abkommen als Möglichkeit, die Bezugsquellen zu diversifizieren.

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Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die sechsmonatige Reserve als unzureichend. Statt auf theoretische Resilienzannahmen zu setzen, forderte er eine realistischere Planung auf Basis konkreter Krisenszenarien. Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), pflichtete bei, dass die Bevorratung von Generika für Hersteller wenig sinnvoll sei. Entscheidend seien stattdessen Forschung und Investitionen, um die Produktion aufrechtzuerhalten und Schwachstellen zu verringern.

Inanc stellte zudem infrage, ob die aktuellen Logistik- und Beschaffungsketten wirklich robust genug seien. Er mahnte eine ehrlichere Risikobewertung an, während Joachimsen warnte, Europa habe die Anfälligkeit für Lieferkettenstörungen unterschätzt.

Die Konferenz offenbarten tiefe Gräben bei der Frage, wie Europas Arzneimittelversorgung gesichert werden soll. Bevorratung, Handelspolitik und Eigenständigkeit entwickelten sich zu den zentralen Streitpunkten. Nun steht die Politik wie die Industrie vor der Herausforderung, in der zukünftigen Planung Kosten, Resilienz und geopolitische Risiken in Einklang zu bringen.

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