Wie Seemannslieder und die Padua die maritime Seele Deutschlands bewahren
Ayten KarzWie Seemannslieder und die Padua die maritime Seele Deutschlands bewahren
Die maritime Tradition deutscher Häfen wie Kiel und Hamburg ist seit jeher eng mit den Seemannsliedern verbunden – jenen Schanties, die einst von Seeleuten gesungen wurden, um die harte Arbeit an Bord zu erleichtern. Diese Lieder, entstanden in der Ära der Segelschiffe, hallen noch heute in modernen Chören nach, die die Kultur lebendig halten. Für Michael Krieg, einen gebürtigen Kielers, war diese Verbindung besonders tief verwurzelt, geprägt von Kindheitserinnerungen an Werften und die Musik von Legenden wie Hans Albers und Freddy Quinn.
Michael Krieg verbrachte seine frühen Jahre in der Nähe der Howaldtswerke-Werft in Kiel, wo er beobachten konnte, wie Schiffe in den Förde stachen und Marineeinheiten vor Anker gingen. Das lebendige Treiben am Wasser hinterließ einen bleibenden Eindruck. Später trat er einem Kirchenchor bei, in dem er neben einem Mann sang, der den Spitznamen Knurrhahn trug – ein Mitglied des Lotsen-Gesangvereins, eines 1929 gegründeten Steuermanns-Chors.
Auch bei Familienausflügen begleiteten Krieg Seemannslieder, und Hans Albers, der berühmte blonde Hans, war stets präsent. Albers' Rolle als Hannes Kröger in dem Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944 prägte sein Image als singender Seemann, der sich nach dem weiten Meer sehnt. Im Film gerät die Liebe seines Charakters zu einer Frau namens La Paloma in Konflikt mit seiner Sehnsucht nach einer neuen Fahrt. Enttäuscht heuert er schließlich auf der Padua an, dem letzten großen Segelschiff der Hamburger Flying P-Liner.
Die Padua existiert heute als russisches Schulschiff Krusenstern weiter – die einzige verbliebene Viermastbark der F. Laeisz-Flotte. Unterdessen wurde Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay zu einer weiteren Hymne für Krieg, den er bei Besuchen bei Freunden auf Hochseeschiffen sang. Diese Lieder und Geschichten hielten den Geist der See am Leben, lange nachdem die Werften in Kiel verstummt waren.
Das Erbe der Seemannslieder und maritimen Chöre lebt in Deutschland fort, auch wenn die Zeit der Segelschiffe langsam verblasst. Michael Kriegs Erfahrungen – von den Kielser Werften bis zur Musik von Albers und Quinn – spiegeln einen kulturellen Faden wider, der bis heute in den Küstenstädten des Landes weitergewoben wird. Die Padua, nun Krusenstern, bleibt ein schwimmendes Denkmal dieser seefahrerischen Vergangenheit.






