Collien Fernandes wirft Christian Ulmen emotionale Misshandlung und digitale Identitätsfälschung vor
Ayten KarzCollien Fernandes wirft Christian Ulmen emotionale Misshandlung und digitale Identitätsfälschung vor
Collien Fernandes, die Ex-Frau des Komikers Christian Ulmen, hat ihn öffentlich schwerer emotionaler Misshandlung und digitaler Identitätsfälschung beschuldigt. In einer detaillierten Schilderung bezeichnete sie sein Handeln als "virtuelle Vergewaltigung" und enthüllte, wie er unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellte, explizite Inhalte verbreitete und Telefongespräche mit sexuellen Inhalten führte, während er vorgab, sie zu sein. Die Vorwürfe haben die Debatte über Ulmens lange Geschichte umstrittenen Auftretens und öffentlichen Verhaltens neu entfacht.
Die Beziehung zwischen Fernandes und Ulmen geriet erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit, als sie in den mittleren 2000er-Jahren bekannt wurde. Viele – darunter auch die Autorin eines aktuellen Kommentars – hinterfragten damals ihre Entscheidung, sich mit Ulmen einzulassen, der für seinen frauenfeindlichen Ruf bekannt war. Seine Reality-Show Wer will meine Freundin vögeln? – in der Männer darum wetteiferten, wer die "heißeste" Freundin hatte – wurde wegen ihres erniedrigenden Tons breit kritisiert. In einer anderen Sendung, Mein neuer Freund, spielte Ulmen wöchentlich einen anderen schrecklichen Freund, der Frauen mit demütigendem Verhalten an ihre Grenzen trieb. Wer die Qualen durchstand, erhielt Geld – die meisten brachen die Teilnahme jedoch ab.
Seine Comedy-Serie Jerks (2017–2023), die er gemeinsam mit Fahri Yardım entwickelte, setzte auf humorvolle Grenzüberschreitungen. Die Serie, eine Adaption der dänischen Vorlage Klovn, lebte von überzeichneten, peinlich berührenden Szenen, die auf Fremdscham setzten. Nach Fernandes' Vorwürfen nahm die Streaming-Plattform Joyn die Serie komplett aus dem Programm.
Ihre Schilderungen stoßen bei vielen auf Resonanz, darunter bei der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot, deren Leitspruch "Die Scham muss die Seite wechseln" in der Debatte weit verbreitet wurde. Fernandes' Enthüllungen werfen zudem ein beunruhigendes Muster auf: Männer, die Frauen im echten Leben verletzen, verstecken sich oft hinter fiktiven Rollen. Ulmens Bühnenfiguren, wie der aristokratische Snob Alexander von Eich, wirken im Nachhinein weniger wie Satire und mehr wie verstörende Spiegelungen seines angeblichen Verhaltens.
Die Autorin des Kommentars bedauerte inzwischen, Fernandes' Entscheidung damals abgetan zu haben. Sie räumt ein, Ulmens Handeln nicht hinterfragt zu haben – Verhalten, das oft als bloße "Provokation" oder "schwarzer Humor" entschuldigt wurde.
Fernandes' Vorwürfe haben konkrete Folgen: Ulmens Werke wurden von Plattformen entfernt, und sein öffentliches Image steht erneut auf dem Prüfstand. Der Fall zeigt, wie sich Fiktion und Realität vermischen, wenn missbräuchliches Verhalten als Unterhaltung normalisiert wird. Ihre Aussagen regen zudem eine breitere gesellschaftliche Reflexion an: Wie oft werden schädliche Handlungen unter dem Deckmantel von Komik oder künstlerischer Freiheit entschuldigt?






