"Deutschland steuert auf die Wand zu": Tunnelbau-Pionier warnt vor Bürokratie und Arbeitsmentalität
Claudio Wiek"Deutschland steuert auf die Wand zu": Tunnelbau-Pionier warnt vor Bürokratie und Arbeitsmentalität
Martin Herrenknecht, Chef der Herrenknecht AG, warnt in drastischen Worten vor Deutschlands Zukunft. Der Unternehmer erklärt, das Land steuere „direkt auf die Wand zu“, wenn es die überbordende Bürokratie und den Wandel in der Arbeitsmentalität nicht in den Griff bekomme. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der große Infrastrukturprojekte hierzulande jahrelange Verzögerungen erleiden, während internationale Konkurrenten deutlich schneller vorankommen.
Herrenknecht, dessen Unternehmen den Weltmarkt für Tunnelbohrmaschinen dominiert, verwies als Beispiel auf ein Logistikzentrum in Baden-Württemberg. Während das Vorhaben seit dreieinhalb Jahren in der Planungsphase feststeckt, erhielt ein vergleichbares Projekt in Chennai, Indien, bereits nach nur drei Monaten die Genehmigung.
Der Unternehmenslenker kritisierte zudem die regulatorischen Hürden in Deutschland und räumte ein, er könnte sein Unternehmen unter den heutigen Auflagen nicht mehr gründen. Das Land befinde sich in einem „Dornröschen-Schlaf“, aus dem es sich nicht von den Fesseln der Bürokratie befreien könne, so Herrenknecht.
Doch nicht nur die Papierflut bereitet ihm Sorgen: Er nahm auch die veränderten Erwartungen junger Arbeitnehmer ins Visier. Absolventen würden zunehmend Forderungen stellen – etwa nach verlängerten Sabbaticals, Homeoffice oder flexibler Elternzeit. Diese Ansprüche spiegelten einen grundlegenden Wandel wider, hin zu einer „Nation von Weicheiern mit überzogenen Ansprüchen“, monierte der Manager.
Die Herrenknecht AG mit Sitz in Schwanau beschäftigt weltweit rund 5.500 Mitarbeiter und war an zentralen europäischen Großprojekten beteiligt, darunter der Gotthard-Basistunnel, der Brenner-Basistunnel und der Ausbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes im Rahmen von Stuttgart 21.
Die Warnungen unterstreichen die tiefgreifenden Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Verzögerungen bei kritischer Infrastruktur und steigende Forderungen der Belegschaften setzen die Wirtschaft unter Druck. Ohne Reformen, so Herrenknechts Botschaft, drohe das Land im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.






