Deutschlands Zulieferer kämpfen um Überleben in der Elektro-Wende

Gönül Jacobi Jäckel
Gönül Jacobi Jäckel
2 Min.
Ein Mercedes-Benz-Werk in Deutschland mit Fahrzeugen auf der Straße, umgeben von Gras, Pflanzen, Bäumen, Gebäuden und Pfählen, von denen einer ein Logo hat, unter einem bewölkten Himmel.Gönül Jacobi Jäckel

Deutschlands Zulieferer kämpfen um Überleben in der Elektro-Wende

Deutschlands Zulieferindustrie steht vor tiefgreifenden Einschnitten, da Unternehmen mit der Umstellung auf Elektromobilität kämpfen. Traditionelle Hersteller, die nur zögerlich von Verbrennungsmotoren abrücken, sehen sich nun mit Insolvenzen, Arbeitsplatzverlusten und Umstrukturierungen konfrontiert. Besonders hart trifft die Krise Städte wie Rastatt, wo die Automobilindustrie seit langem ein zentraler Arbeitgeber und Steuerzahler ist.

Die Ursache liegt in Deutschlands verpasster Chance bei Elektrofahrzeugen. Während chinesische Marken den Markt dominieren, hängen heimische Zulieferer noch an veralteter Technologie. ZF, der weltweit größte Automobilzulieferer, plant, bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abzubauen, um 6 Milliarden Euro einzusparen und die Schulden zu reduzieren. Der neue Vorstandsvorsitzende, Mathias Miedreich, sieht zwar Potenzial in Sicherheitstechnologien für Fahrzeuge, warnt aber, dass Kostensenkungen zu hochautomatisierten "Dunkelfabriken" mit weniger Beschäftigten führen könnten.

Auch kleinere Unternehmen geraten ins Straucheln. Allgeier Automotive in Uhingen meldete Insolvenz an und gefährdet damit 750 Arbeitsplätze. EBM-Papst in Mulfingen steigt aus dem Automotive-Bereich aus und konzentriert sich stattdessen auf die Produktion von Wärmepumpen. Gleichzeitig strebt Bosch an, bis 2030 rund 22.000 Stellen abzubauen – zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bereits 2022 verloren gingen.

Die Krise betrifft nicht nur die Unternehmen. Rastatt, wo Daimler der größte Steuerzahler ist, droht bis 2026 ein Haushaltsdefizit, da die Gewerbesteuereinnahmen sinken. Michael Brecht, Vorsitzender des Betriebsrats von Daimler Trucks, fordert, Deutschland müsse eigene Batteriezellenfabriken aufbauen, um die Zukunft der Branche zu sichern. Ohne gezielte Maßnahmen, so seine Warnung, könnten weitere Arbeitsplätze und Fachwissen verloren gehen.

Der Wandel zur Elektromobilität verändert die deutsche Autoindustrie grundlegend und zwingt Zulieferer, sich zu verkleinern oder neu zu erfinden. Städte wie Rastatt, die von der Branche abhängig sind, stehen vor finanziellen Engpässen, da die Steuereinnahmen schrumpfen. Der Ausbau der Batterieproduktion und neuer Technologien könnte eine Rettung bieten – doch der Übergang wird voraussichtlich mit weniger Arbeitsplätzen und einer schlankeren Belegschaft einhergehen.

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