Zwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied in Kontrasten

Ayten Karz
Ayten Karz
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Ein Schwarz-Weiß-Bild eines Mannes auf der Titelseite einer deutschen Zeitung, mit Text und dem Mann, der direkt in die Kamera schaut.Ayten Karz

Zwei Legenden der deutschen Medienwelt sind tot – ein Abschied in Kontrasten

Zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturszene sind kürzlich verstorben. Franz Josef Wagner, der scharfzüngige Bild-Kolumnist, der als "Bild-Dichter" bekannt wurde, starb am 7. Oktober im Alter von 82 Jahren. Gleichzeitig verließ Alfred Hilsberg, der provokante Underground-Impresario aus Hamburg und eine prägende Stimme der Gegenkultur, im Alter von 77 Jahren die Bühne. Beide Männer hinterlassen unterschiedliche Vermächtnisse – der eine im etablierten Journalismus, der andere in avantgardistischen Kreisen.

Franz Josef Wagner begann seine Karriere als Reporter beim Axel-Springer-Verlag, bevor er als täglicher Kolumnist zu Bekanntheit gelangte. Von 2001 bis 2022 verfasste er Briefe an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Prominente und sogar fiktive Figuren, in denen er Satire mit einer unverkennbaren Mischung aus Kitsch und beißendem Witz verband. Seine letzte Kolumne, veröffentlicht am 7. September 2022, richtete sich an Carlo Acutis, einen kürzlich heiliggesprochenen Heiligen. Trotz seines Talents verhinderte Wagners ungebremste Meinungsäußerung und seine konservative Grundhaltung seinen Aufstieg in die obersten redaktionellen Etagen.

Zeitlebens blieb er eine polarisierende Figur, oft verglichen mit Popkultur-Ikonen wie James Last oder dem Komiker Fips Asmussen. Seine Kolumnen, so umstritten sie auch waren, festigten seinen Ruf als einzigartige Stimme in den deutschen Medien.

Alfred Hilsberg hingegen prägte die Hamburger Underground-Szene wie kaum ein anderer. Der selbsternannte Provokateur lehnte konventionelle Laster wie Bier und Haschisch ab und pries stattdessen die Bild-Zeitung – jenes Boulevardblatt, für das Wagner schrieb – als "bewusstseinserweiternde Droge" an. Sein respektloser Stil machte ihn zur Kultfigur in alternativen Kreisen, weit entfernt von Wagners massentauglichem Publikum.

Wagners Tod markiert das Ende einer Ära für die satirische Tradition der Bild, während Hilsbergs Ableben ein Kapitel der Hamburger Gegenkultur schließt. Beide Männer, ideologisch Welten voneinander entfernt, haben die deutsche Medienlandschaft auf ihre Weise geprägt – der eine durch massentaugliche Kolumnen, der andere durch undergroundigen Widerstand. Ihre Vermächtnisse werden in den Welten, die sie beeinflusst haben, weiterleben.

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