AfD profitiert in Baden-Württemberg von Ängsten um Arbeitsplätze und erreicht 20 Prozent
AfD profitiert in Baden-Württemberg von Ängsten um Arbeitsplätze und erreicht 20 Prozent
In Baden-Württemberg steigt die rechtsextreme AfD und erreicht in Umfragen nun 20 Prozent. Dies geschieht in einem Bundesland, in dem Arbeitnehmer trotz der höchsten Löhne Deutschlands immer mehr um ihre Arbeitsplätze fürchten. Unternehmensentscheidungen wie der Plan von Bosch, 14.000 Stellen abzubauen, schüren die Ängste unter Fabrikarbeitern.
Der Industriesoziologe Klaus Dörre argumentiert, dass sich Arbeiter, die sich durch die Instabilität der Unternehmen abgewertet fühlen, ihre Frustration oft gegen Migranten und Sozialhilfeempfänger richten. Diese Erzählung werde, so Dörre, von bürgerlichen Parteien und Medien verstärkt. Die AfD nutzt diese Ängste gezielt aus: Spitzenkandidat Markus Frohnmaier warnt vor einem "Detroit 2.0" und verspricht eine Rückkehr zu vergangener Stabilität – ohne jedoch konkrete Pläne zum Erhalt von Arbeitsplätzen vorzulegen.
Doch der Einfluss der Partei in den Gewerkschaften bleibt begrenzt. Der rechtsextreme Ideologe Benedikt Kaiser hatte einst vorgeschlagen, Gewerkschaften anzugreifen und gleichzeitig zu unterwandern, doch die AfD-nahe "Zentrum"-Gruppierung hat bundesweit lediglich 19 Betriebsratsmandate errungen. In Seminaren der Metallindustrie treten AfD-Anhänger eher als Protestwähler denn als überzeugte Rechtsextreme auf.
Danial Bamdadi, ein 30-jähriger Netzwerker der von IG Metall unterstützten Vereinigung zur Erhaltung der Demokratie, setzt auf Aufklärung, um Extremismus entgegenzuwirken. Experten schlagen vor, dass Gewerkschaften durch Druck auf die Unternehmensführungen und klare Alternativen zur Arbeitsplatzunsicherheit gegensteuern könnten.
Die Drohung von Entlassungen hat vereinzelt Widerstand ausgelöst, wie im Bosch-Werk in Waiblingen. Bisher hat die AfD in Baden-Württemberg jedoch weder gezielt Arbeiter noch Gewerkschaften vor der Landtagswahl 2024 angegriffen.
Der Umfrageaufschwung der AfD in Baden-Württemberg spiegelt die allgemeine Verunsicherung der Beschäftigten wider, auch wenn ihr Einfluss in den Gewerkschaften schwach bleibt. Fabrikarbeiter, die mit Stellenabbau und stagnierender Jobsecurity konfrontiert sind, bleiben anfällig für rechtsextreme Parolen. Wie die Gewerkschaften reagieren – ob mit Konfrontation oder eigenen Lösungsvorschlägen –, könnte die politische Landschaft vor der Wahl entscheidend prägen.
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