Merz festigt Macht in der CDU – doch die Reformen fordern ihren Tribut

Ayten Karz
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Ein altes, vergilbtes Dokument mit einem kreisrunden, schwarz umrandeten Stempel, wahrscheinlich ein Brief von der deutschen Regierung, geschrieben in schwarzer Tinte.Ayten Karz

Merz festigt Macht in der CDU – doch die Reformen fordern ihren Tribut

Friedrich Merz hat auf einem Parteitag in Stuttgart seine Position als cducsu-Vorsitzender weiter gefestigt. Das Ergebnis lässt seinen cdu-Kollegen Markus Söder neidisch auf eine derart klare Demonstration der Unterstützung zurück.

Trotz anhaltender kritik steht Merz nun fester als je zuvor an der Spitze der führenden konservativen Kraft Deutschlands. Seit Mai 2025 amtiert er zudem als Bundeskanzler und führt eine Koalitionsregierung aus cdu/csus und SPD an, die nach dem Wahlsieg zu Jahresbeginn an die Macht kam. Sein Programm umfasst tiefgreifende Reformen in der Wirtschaftspolitik, im Sozialwesen und bei den Arbeitsmarktregelungen – Vorhaben, die sorgfältige Abstimmung und Kompromissbereitschaft erfordern.

Doch Merz' Führung ist nicht ohne Herausforderungen. Die öffentliche kritik bleibt scharf, doch sein Griff um die politische partei hat sich verengt. Die Dimension seiner Aufgaben – sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene – ist zu groß, als dass er sie allein bewältigen könnte. Dafür braucht er eine vertraute Persönlichkeit im Hintergrund, die ähnlich wie einst Frank-Walter Steinmeier während Gerhard Schröders "Agenda 2010" agiert.

Die geplanten Reformen sind ehrgeizig: Bis 2026 will Merz die Regelungen zu Arbeitszeiten umkrempeln und von täglichen auf wöchentliche Höchstarbeitszeiten umstellen. Auch die wirtschaftliche Belebung und Anpassungen im Sozialsystem stehen auf der Agenda. Doch um diese Veränderungen durchzusetzen, reicht reine Autorität nicht aus – es braucht Verhandlungsgeschick und geschlossenen Auftritt der unionsparteien.

Ein "Chef-Reformer" gilt inzwischen als unverzichtbar. Diese Rolle sollte Steinmeiers früherer Funktion entsprechen: als Vermittler in Streitfragen, als Schlichter in politischen Konflikten und als Kitt, der die politische partei zusammenhält. Ohne eine solche Schlüsselfigur wächst die Gefahr innerparteilicher Spaltungen – besonders angesichts der vielen komplexen Themen, die auf dem Spiel stehen.

Der cdu-Parteitag in Stuttgart hat eines deutlich gemacht: Merz verfügt über den nötigen Rückhalt, um die politische partei zu führen. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor – seine Visionen in die Tat umzusetzen, ohne dabei die Einheit der unionsparteien zu gefährden.

Merz' gestärkte Doppelrolle als Parteichef und Kanzler ebnet den Weg für weitreichende Reformen. Ob seine Pläne jedoch gelingen, hängt entscheidend davon ab, ob es ihm gelingt, eine Persönlichkeit an seiner Seite zu wissen, die Gräben überbrückt und politische Debatten in konstruktive Bahnen lenkt. Ohne einen geschickten Vermittler könnte der Weg vor ihm weit holpriger werden, als es die harmonischen Ergebnisse des Parteitags vermuten lassen.

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